Wirtschafts-Mittelschule Eggenfelden 
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Theater an der Rott bringt 70 Mittelschüler und fünf Profis bei Tanzprojekt zusammen.

„Desaster – keine Zeit für Freiheit“: Unter diesem zunächst etwas kryptischem Titel stand ein ganz besonderes Projekt des Theaters an der Rott: Fünf Mitglieder des oberösterreichischen Künstler- Kollektivs „Silk Fluegge“ hatten eine große Performance mit Schülerinnen und Schülern der Wirtschafts-Mittelschule einstudiert. Entstanden ist dabei ein ganz besonderes Theatererlebnis, für das es langen und berechtigten Applaus gab. 

Es waren zwei Gruppen, eigentlich sogar zwei Welten, die auf der Bühne zusammentrafen. Auf der einen Seite die engagierten Mitglieder des Tanzkollektivs, denen es mit außergewöhnlichem Erfolg gelungen war, die eigene Begeisterung und ausdrucksstarke Bühnenpräsenz auf die Jugendlichen zu übertragen. Auf der anderen Seite die 70 Mädchen und Buben mit ganz unterschiedlichem Hintergrund, die sich hier zusammengefunden hatten, um etwas zu lernen, dass ihnen in der Schule oder im Alltag sonst wohl eher selten begegnet.

Spannend schon der Anfang: Als die Besucher den Zuschauersaal betraten, standen die 70 Jugendlichen in einer langen Reihe mit dem Gesicht zur Wand, alle in Uniformen weiß-grau gekleidet. Die Individualität jedes und jeder Einzelnen war nicht mehr zu erkennen, es handelte sich um eine „graue Masse“ von Menschen, die hier mehr oder weniger freiwillig zu einer Gruppe verschmolzen waren. Und daran änderte sich auch erst einmal nichts, als sie befragt wurden: Wie heißt Du? Wo kommst Du her? Was machen Deine Eltern? Welche Religion hast Du? Deutlich war zu spüren, dass diese Fragen, gestellt von den Tänzerinnen und Tänzern von Silk Fluegge, kein ehrliches Interesse darstellen sollten – es ging vielmehr darum zu zeigen, dass es die soziale und geographische Herkunft ist, die Menschen klassifiziert und wieder neue Gruppen bildet.

 

Die Spannung zwischen den einzelnen Gruppen war förmlich greifbar. Das Gefühl, ausgeschlossen zu sein, wurde eindringlich dargestellt.

Dann kam es aber doch zur Individualisierung, in deren Rahmen die Jugendlichen ihre Wünsche, Vorstellungen und vielleicht auch Träume preisgaben: Was ist für Dich eine Katastrophe? Auf diese Frage kamen ganz genau definierte Antworten wie beispielsweise: „Wenn jemand stirbt, den man gerne mag“. Aber ebenso ehrlich war eine Antwort wie „Eine Katastrophe ist es für mich, wenn ich alleine bin“. Und manchmal gab es auch einen Anflug von Humor. Denn die Frage „Was ist für Dich ein Desaster?“ wurde durchaus beantwortet mit dem Satz „Wenn ich früh sterben müsste“, aber eben auch mit der Anmerkung: „Neulich habe ich versucht, mit meiner Mutter eine Pizza zu backen – das endete in einem Desaster“.

Fragen und Antworten waren eingebettet in schnelle Bewegungsabläufe, ständig rührte sich etwas auf der Bühne, die Akteure von Silk Fluegge drängten sich dabei nie in den Vordergrund, sondern ließen die Jugendlichen machen in Form einer „gelenkten Freiheit“, bei der in der großen Masse jeder Junge und jedes Mädchen letztlich auch als Individuum bemerkbar wurde. Beeindruckend war diese Leistung auf jeden Fall, denn die allermeisten der jungen Teilnehmer an diesem Projekt hatten noch nie auf einer Bühne gestanden und schon gar nicht vor Publikum agiert. 50 Minuten lang ohne Pause auf der Bühne, immer in Bewegung, dabei auch einiges über sich selbst zu offenbaren: Respekt, wie diese Aufgaben gemeistert wurden. Langen Applaus gab es für die Profis von Silk Fluegge und vor allem für die Teenager, denen auch das Lob von Intendant Dr. Uwe Lohr sichtlich gut tat. Es wäre schön, wenn diese ganz besondere Form der Jugendförderung kein Einzelfall bleiben würde, denn fest steht: Das Theater an der Rott hat hier eine gute Idee gekonnt umgesetzt.

Noch schöner wäre es freilich gewesen, wenn die Anerkennung dieser Leistung auch von „öffentlicher Seite“ etwas größer gewesen wäre. Denn die Mittelschule ist zwar eine städtische Einrichtung, doch leider hielt nur Jugendreferentin Elisabeth Perl-Ibrahim die Fahne der Stadt hoch. Selbst schuld, möchte man sagen, alle anderen haben eine tolle Aufführung verpasst.

 

Gerd Kreibich | PNP 27.03.2018

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